Sturzflutmanagement

Hochwasserschutz- und
Rückhaltekonzepte

Im Jahr 2018 durften wir für die Gemeinde Memmelsdorf ein Pilotprojekt im Rahmen des Sonderförderprogramms "Integrale Konzepte zum kommunalen Sturzflut-Risikomanagement" des Bayerischen Landesamtes für Umwelt (LfU) erarbeiten.

 

Die Methodik, die wir für das Pilotprojekt entwickelt und eng mit dem Wasserwirtschaftsamt Kronach abgestimmt haben, floss mit in den Leitfaden für die inzwischen in einem Regelförderprogramm laufenden Projekte mit ein. Seit dem ersten Pilotprojekt haben wir mehrere solcher Konzepte erarbeitet, die mittlerweile einen festen Platz in unserem Leistungsspektrum und unserer täglichen Arbeit eingenommen haben.

 

Ziel dieser Konzepte ist es, nicht nur die aus den Gewässern heraus drohenden Hochwassergefahren zu ermitteln und ihnen mit Maßnahmen entgegenzuwirken, sondern auch wild abfließendes Wasser zu berücksichtigen. Dazu werden ganze Einzugsgebiete im 2D-Modell beregnet. Es lassen sich so auch Fließpfade abseits der Gewässer ermitteln, daraus resultierende Gefahren und Risiken aufzeigen und entsprechende Schutzmaßnahmen konzipieren.

 

Exemplarisch können wir hier mit freundlicher Genehmigung der Gemeinde Pinzberg (Verwaltungsgemeinschaft Gosberg) das im Jahr 2026 abgeschlossene Projekt Integrales Konzept zum kommunalen Sturzflut-Risikomanagement für die Gemeinde Pinzberg, Landkreis Forchheim vorstellen.

 

Im Rahmen des Projektes wurde ein 2D-Modell erstellt und mit diesem Berechnungen zum IST-Zustand sowie Variantenuntersuchungen durchgeführt. Auf dieser Grundlage konnten Gefährdungen analysiert, Überschwemmungsgebiete ermittelt und geeignete Schutzmaßnahmen entwickelt werden.

 

 

1. Projektsteckbrief

2. Ausgangssituation

 

Im Gemeindegebiet Geslau kam es entlang des Kreuthbachs und seiner Nebengewässer wiederholt zu großflächigen Überflutungen. Besonders kritisch waren Rückstaueffekte an bestehenden Durchlässen sowie Ausuferungen im Bereich der Ortslage Geslau.

 

 

3. Aufbau des 2D-Modells

 

Für die Untersuchungen wurde ein hochauflösendes hydraulisches 2D-Modell aufgebaut. Als Datengrundlage wurden unter anderem aktuelle Daten zu Geländehöhen aus Laserscannerbefliegungen des Vermessungsamtes, aktuelle Luftbilder und topographische Karten verwendet. Zusätzlich wurden Ortsbegehungen, Vermessungen sowie GIS-Auswertungen durchgeführt, um das Modell möglichst realitätsnah aufbauen zu können. 

 

Berücksichtigt wurden dabei der Kreuthbach, mehrere Nebengewässer sowie zahlreiche Brücken, Durchlässe und Querungsbauwerke.

 

 

4. Überschwemmungsgebietsermittlung

 

Die Simulationen mit dem aufgebauten 2D-Modell erfolgten für verschiedene Hochwasserereignisse von HQ5 bis HQextrem mit der Software HydroAS. Ziel war die Ermittlung von:

  • Überschwemmungsgebieten
  • Wassertiefen
  • Fließwegen
  • Rückstaueffekten
  • Gefährdungen für Gebäude und Infrastruktur

Die hydraulischen Untersuchungen zur Ermittlung der Überschwemmungsgebiete im IST-Zustand zeigten, dass bereits bei häufigeren Hochwasserereignissen landwirtschaftliche Flächen, Verkehrswege und einzelne Gebäude betroffen sind. 

 

Bei HQ100+15%, das in der folgenden Abbildung dargestellt ist, betreffen die Überschwemmungen im IST-Zustand weite Teile des Ortskerns von Geslau. Für dieses Ereignis wurden insgesamt 130 gefährdete Gebäudeteile in Geslau ermittelt.

 

5. Entwicklung der Hochwasserschutzmaßnahmen

 

Auf Grundlage der hydraulischen Analysen wurde u. a. ein Hochwasserrückhalt stromauf der Staatsstraße St 2250 entwickelt. Da der Straßendamm selbst nicht auf den Rückhalt von Wassermassen ausgelegt ist, wurde ein entsprechender Rückhaltedamm unmittelbar stromauf der St 2250 konzipiert.

 

Durch iterative, also immer weiter angepasste Berechnungen wurde die optimale Drosselmenge ermittelt. Diese gewährleistet einen maximalen Schutz für die Ortslage bei gleichzeitiger Vermeidung negativer Auswirkungen durch den Rückhalt nach stromauf. Der maximale Abfluss des Kreuthbachs im Bereich des Ortskerns wird dabei im Vergleich zum IST-Zustand auf etwa ein Drittel reduziert. 

 

Die Vorzugsvariante umfasst:

  • einen knapp 270 m langen und max. 2,6 m hohen Rückhaltedamm unmittelbar stromauf der St 2250 
  • ein Drosselbauwerk
  • einen Notüberlauf

Die folgende Abbildung zeigt eine Visualisierung aus dem 2D-Modell. Der Rückkhaltedamm ist hier rechts (stromauf) des Straßendamms zu sehen.

Ansicht Damm Geslau

 

6. Schutzwirkung und Ergebnisse

 

Die hydraulischen Berechnungen zeigten eine deutliche Verbesserung des Hochwasserschutzes für die Ortslage Geslau. 

Durch den geplanten Rückhalt können bei HQ100+15%

  • Wasserstände im Ortsbereich um bis zu 1,0 m abgesenkt werden
  • Überschwemmungsflächen deutlich reduziert werden
  • insgesamt 104 Gebäude geschützt werden

Auch für häufigere Ereignisse wurde die Schutzfunktion nachgewiesen.

7. Kosten-Nutzen-Bewertung

 

Im Rahmen des Konzeptes wurde eine erste Wirtschaftlichkeitsbetrachtung durchgeführt, die zugunsten der Maßnahme ausfällt: Die geschätzten Investitionskosten für die Maßnahme liegen demnach deutlich unterhalb des ermittelten Schadenspotenzials im IST-Zustand.

 

Zusätzlich sind positive Effekte auf Infrastruktur, Erreichbarkeit und Gefahrenabwehr zu erwarten.

 

 

8. Übersicht der erbrachten Leistungen im Projekt

  • Ortsbegehungen mit Vermessung
  • Aufbau eines detaillierten 2D-hydraulischen Modells
  • GIS-gestützte Datenauswertung
  • Instationäre hydraulische Berechnungen zur Überschwemmungsgebietsermittlung
  • Visualisierung der Ergebnisse im GIS und in Karten
  • Maßnahmenkonzeption mit Variantenuntersuchungen
  • Kosten-Nutzen-Analyse
  • Abstimmungen mit Behörden
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